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  [letzte Aktualisierung am 10.05.2007]     

Zahlen und Fakten

A. Infektionszahlen für Deutschland
B. Hauptübertragungswege in Deutschland
C. Die Situation in Sachsen

A. Infektionszahlen für Deutschland

Das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ist in den letzten Jahren keinesfalls kleiner geworden, sondern hat eher noch zugenommen. Dafür sprechen folgenden Fakten:

1. Die Zahl der Menschen, bei denen erstmals im genannten Jahr HIV diagnostiziert wurde, hat in Deutschland seit 1995 kaum noch abgenommen. Die Tabelle suggeriert zwar eine permanente Abnahme, die aber z.T. auf den immer besseren Ausschluss von Doppelmeldungen zurückzuführen ist. Zudem bilden die 18.553 Menschen, bei denen seit 1993 erstmals HIV festgestellt wurde, nur rund 30% aller in Deutschland überhaupt erfassten HIV-Infektionen. Die anderen 70% der insgesamt rund 60.000 infizierten Personen wurde im fast gleich langen Zeitraum von 1982 - 1992 diagnostiziert. In diesen Jahren lag also der große Anstieg und die deutliche Abnahme der HIV-Infektionen. [ Quelle 1 ], für 2002 [ Quelle 2 ]

1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
2.417 2.334 2.277 1.907 2.096 1.959 1.769 1.712 1.482 rd. 2000

2. Durch die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten verlängerte sich die Überlebenszeit infizierter Menschen in Deutschland sehr deutlich. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der unter uns lebenden HIV-positiven Menschen jedes Jahr um rund 1000 zu und hat gegenwärtig den Stand von 38.000 Personen erreicht [ Quelle 1 ]. Diese Menschen haben zum großen Teil ein durchschnittliches Sexualleben wie wir anderen auch. Sie haben Partnerinnen bzw. Partner oder leben allein, gehen fremd, trennen sich und verlieben sich neu, besuchen Prostituierte und Callboys, denken oft an Verhütung und Safer Sex, haben aber auch schwache Momente, in denen sie aus verschiedensten Gründen auf Schutz verzichten. Dabei treffen sie oft auf uns "Normal"bürger, die wir meist noch viel sorgloser mit unserer Sexualität ungehen. An den auf diese Weise weitergegebenen Infektionen sind wir mit unserer Sorglosigkeit also mindestens ebenso Schuld.

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B. Hauptübertragungswege in Deutschland

Interesssant ist auch, wie sich die pro Jahr festgestellten Neuinfektionen auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen verteilen. Die folgende Tabelle gibt an, wieviel Prozent der Neuinfektionen auf bestimmte Gruppen in Deutschland entfallen. Die Zuordnung zu diesen Gruppen erfolgte nach dem wahrscheinlichsten Infektionsweg [ Quelle 1 ], für 2002 [ Quelle 2 ]:

Personengruppe 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
homo- und bisexuelle
Männer
27,1% 29,8% 31,8% 37,9% 36,4% 39,2% 36,9% 38,4% 38,3% rd. 41%
homo- und bisexuelle
Frauen
? ? ? ? ? ? ? ? ? ?
intravenös
Drogenabhängige
10,3% 12,1% 10,5%   9,9% 11,7% 10,4% 11,5%   9,9%   7,6% rd. 9%
Bluterkranke   0,1%   0,0%   0,0%   0,0%   0,3%   0,0%   0,0%   0,1%   0,0%   0,0%
andere Empfänger
von Blutprodukten
  1,9%   0,8%   0,5%   0,3%   0,3%   0,3%   0,0%   0,2%   0,2%   0,0%
heterosexuelle Männer und Frauen 11,0% 10,5% 10,6% 10,4% 12,6% 14,9% 14,9% 16,5% 16,6% rd. 18%
Mitbürger aus
Ländern mit hoher
HIV-Verbreitung
  5,7%   8,1%   9,5% 12,5% 14,5% 15,8% 18,5% 18,3% 18,2% rd. 23%
vor oder während
der Geburt infizierte Kinder
  2,6%   3,2%   2,3%   2,7%   1,6%   1,4%   0,7%   1,1%   0,8% < 1%
Personen ohne Angaben zum Infektionsweg 41,2% 35,6% 34,9% 26,2% 22,7% 18,0% 17,6% 15,5% 18,3% rd. 17%

Diese auf den ersten Blick eher verwirrenden Zahlen wollen wir nun für dich etwas kommentieren:

homo- und bisexuelle Männer:
Viele HIV-Infektionen werden erst einige Jahre nach der Übertragung diagnostiziert. Aus diesem Grund stiegen die Infektionszahlen unter den bis dato als Hauptbetroffenengruppe angesehenen homo- und bisexuellen Männern trotz der Arbeit zahlreicher AIDS-Hilfen und Beratungsstellen bei den Gesundheitsämtern zunächst weiter an. Außerdem gab es sicher vor 10 Jahren viele schwule und bisexuelle Männer, die noch nicht offen zu ihrer Veranlagung stehen konnten, so dass ein Teil dieser Gruppe durchaus in der letzten Zeile unter "keine Angaben" erfasst wurde. Seit 1996 zeigt die Präventionsarbeit ihre auf mehrere Jahre zeitverzögerte Wirkung. Der Anteil dieser Bevölkerungsruppe nimmt seitdem nicht mehr zu. Daraus lassen sich aber keinerlei Prognosen für die Zukunft ableiten. Zum einem verzichtet ein Teil der schwulen Szene bewusst auf Safer Sex (Barebacking genannt). Aber auch sehr junge Menschen, die den Schock der ersten Stunde nicht miterlebt haben und in die AIDS-Ära hineingeboren wurden, ignorieren trotz besseren Wissens zunehmend einfachste Präventionsregeln. Hinzu kommt, dass in Zeiten knapper öffentlicher Kassen Aufklärungsarbeit zurückgefahren wird, in einer Zeit, die die Entwicklung völlig neuer Aufklärungskonzepte notwendig macht. Auch lokale und regionale Medien, insbesondere Presse und Rundfunk, ignorieren selbst zum Welt-AIDS-Tag dieses Thema.
Auf der anderen Seite trägt das neue Lebenspartnerschaftsgesetz sicher dazu bei, dass zunehmend schwule und bisexuelle junge Männer ihre Sexuelität als geachteten und damit schützenswerten Teil ihrer Persönlichkeit begreifen.
Damit ist in Zukunft sowohl ein Ansteigen als auch ein Sinken der Neuinfektionen in dieser Bevölkerungsgruppe möglich.

homo- und bisexuelle Frauen
Das RKI [ Quelle 1 ] weist für diesen Übertragungsweg keine Zahlen aus. Ursache ist das große Forschungsdefizit zum Thema Frauen und AIDS. Vorurteilsbelastet wird davon ausgegangen, dass bisexuelle Frauen sich natürlich auf heterosexuellem Wege anstecken und Lesben sowieso gegen HIV gefeit seien. Selbst viele lesbische und bisexuelle Frauen glauben diesen Mist. Wir fanden bisher nur eine bereits mehrere Jahre alte Zahl, die von 10 nachweislich auf lesbischem Wege weitergegebenen HIV-Infektionen berichtet. Derzeit sind wir selbst noch auf Recherche zu diesem Thema und werden Euch voraussichtlich im 2. Halbjahr 2003 einen ausführlichen Beitrag unter unserer Rubrik "Das aktuelle Thema" anbieten.

intravenös Drogenabhängige:
Dieser Anteil geht seit einigen Jahren ganz leicht zurück. Durchgreifende Erfolge sind aber nur möglich, wenn folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • Beseitigung der sozialen Ursachen von Drogenkarrieren (sehr schwierig),
  • dauerhafte Beendigung von Drogenkarrieren durch ausreichende Zahl von Therapieplätzen und wirksame Resozialisieriungsprogramme (problematisch in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und mangelnder beruflicher Perspektiven),
  • wirksame Unterbrechung der Infektionsketten in der Szene (auch im Strafvollzug) durch Vergabe sauberer Spritzbestecke und Substitutionsprogramme (wirkungsvoll, aber politisch umstritten),
  • Abbau der Beschaffungsprostitution durch die vorgenannten Punkte.

Da keiner dieser Punkte auch nur annähernd erfüllt ist, bleibt auch hier die zukünftige Entwicklung offen.

Bluterkranke und andere Empfänger von Blutprodukten:
Erfreulicherweise ist der Anteil hier aufgrund eines hohen Stands der Medizintechnik und Medikamentenproduktion sehr gering und wird es aller Voraussicht nach auch bleiben.

heterosexuelle Männer und Frauen und Mitbürger aus Ländern mit hoher HIV-Verbreitung:
Die methodische Unterscheidung dieser beiden Gruppen halten wir für wenig sinnvoll, da sie suggeriert, dass ausländische Betroffene, die in Deutschland leben, ihre Infektion wohl über Windbestäubung erhielten und sich in Deutschland asexuell verhielten. Beides ist natürlich nicht der Fall. Personen aus den Hauptprävalenzländern infizierten sich bis auf wenige Ausnahmen auf heterosexuellem Wege. Daraus kann aber gefolgert werden, dass der Anteil heterosexueller Menschen insgesamt von rund 16% im Jahr 1993 auf rund 34% im Jahr 2001 anstieg und damit nur unwesentlich unter dem Anteil homosexueller Übertragungswege liegt.
Zum anderen räumt selbst das Robert-Koch-Institut ein, dass noch völlig unklar ist, ob ein nicht unbedeutender Teil dieser Personen sich die HIV-Infektion erst in Deutschland zugezogen hat. Was aber auch das Robert-Koch-Institut nicht wahrnimmt: Wieviele der deutschen Infizierten, egal ob homo-, bi- hetero oder sonstwiesexuell haben sich die HIV-Infektion im Ausland zugezogen? Die Medienberichte über Sextourismus auf Ibizza, Mallorca und in Südostasien sowie der "kleine Grenzverkehr" nach Tschechien lassen da einiges vermuten. Auch insofern scheint die doppelte Unterscheidung nach Übertragungsweg und Herkunft methodisch zweifelhaft.
Außerdem haben beide Gruppen einige Gemeinsamkeiten. In beiden ist der Frauenanteil sehr hoch. Bei den deutschen heterosexuellen Infizierten pendelt er seit einigen Jahren um die 45%, bei denen ausländischer Herkunft liegt er seit 4 Jahren bei fast 60%. Beide Gruppen tragen den Löwenanteil infizierter Frauen, der mittlerweile auf 24% aller infizierten Personen angestiegen ist.
Die zweite wichtige Gemeinsamkeit: Beide Gruppen nehmen seit Jahren zu und werden es aller Voraussicht nach auch weiterhin tun. Während die Zunahme der heterosexuellen Einheimischen als weitgehend echt betrachtet werden kann, geht ein Teil der Zunahme bei unseren ausländischen Mitbürgern sicher zu Lasten der besseren statistischen Erfassung (siehe auch letzte Zeile der Tabelle).

vor oder während der Geburt infizierte Kinder
Mittlerweile sind die Übertragungmechanismen zwischen Mutter und Kind gut bekannt und die Einhaltung der daraus folgenden Vorbeugungsmaßnahmen hat die Zahl dieser Infektionen bis auf wenige Einzelfälle schrumpfen lassen.

Personen ohne Angaben zum Infektionsweg
Der oft jahrelange Zeitraum zwischen der Infektion und ihrer Entdeckung macht es mitunter schwierig, eindeutig einen Infektionsweg zu benennen. Bei einem Teil dieser Gruppe kommen auch verschiedene Wege in Betracht. Sicher gibt es auch noch einen kleinen Rest schwuler und bisexueller Männer, die auch noch heute ihre Veranlagung verheimlichen. Die Abnahme dieser Gruppe ist hauptsächlich eine Folge der zunehmend besseren statistischen, aber trotzdem anonymen Erfassung. Die Entwicklung seit 1998 zeigt aber, dass wir auf Grund der geschilderten Probleme immer mit einem gewissen Prozentsatz nicht eindeutig zuordbarer Infektionswege leben müssen.


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C. Die Situation in Sachsen

Zunächst ein Blick auf die Entwicklung bei den festgestellten HIV-Erstdiagnosen. Die aufgeführten Zahlen stellen nur eine untere Grenze dar, da im gesamten Zeitraum in ganz Deutschland 3.167 Fälle aufgrund fehlender Postleitzahlen in den Meldungen nicht zugeordnet werden konnten.

1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
15 44 56 38 34 30 45 35 30 rd. 30


Die starken Schwankungen erlauben bisher keine Schlussfolgerungen für die zukünftige Entwicklung. Vor allem der "kleine Grenzverkehr" nach Tschechien und die sich nach der Wende auch in Ostdeutschland entwickelnde Prostitution bergen das Risisko steigender Infektionszahlen in sich, freilich mit langjähriger zeitlicher Verzögerung.
Zudem muss man berücksichtigen, dass diese Zahlen nur die absolute Untergrenze der tatsächlich vorhandenen Infektionen darstellen, da nur ein sehr kleiner Teil medizinischer Einrichtungen meldepflichtig ist. Es bestehen deutliche Differenzen zwischen den hier erfassten Fällen und der Gesamtzahl der von den sächischen AIDS-Hilfen, Beratungsstellen in Gesundheitsämtern und den Schwerpunktkliniken betreuten Personen!
Eine Zuordnung zu den Infektionswegen können wir im Moment nur für den Teil dieser Menschen angeben, die bereits am Vollbild AIDS erkrankt sind. Von diesen bisher 52 Menschen (21 davon bereits verstorben) führten 33 Personen ihre Infektion auf homo- bzw- bisexuelle Kontakte zu Männern zurück, 3 auf intravenösen Drogenkonsum, 1 Person auf die Behandlung mit Blutprodukten, 4 auf heterosexuelle Kontakte und 8 auf die Herkunft aus Hauptinfektionsländern. 3 Personen konnten oder wollten dazu keine Angaben machen.
Im Rahmen der zunehmenden Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland relativiert sich die günstige Ausgangssituation in Ostdeutschland immer mehr! Der Anteil der in den neuen Bundesländern diagnostizierten positiven Tests an der Gesamtzahl positiver Tests hat sich in den letzten 10 Jahren fast verdreifacht:

1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
4,1% 7,3% 7,6% 9,6% 9,8% 7,1% 8,8% 8,4% 10,5% 11,6%


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Quelle 1: Robert-Koch-Institut. Berlin: Epidemologisches Bulletin. 09.08.2002. Sonderausgabe B.
Die Kommentare zu den Zahlen der RKI stammen von der AIDS-Hilfe Chemnitz.
Quelle 2: Robert-Koch-Institut. Berlin: Epidemologisches Kurzinformation. 20.02.2003., Angaben z.T. geschätzt